7
Okt
2008

In mir steckt ein Held

Auf dem Befund vom Organscreening-Ultraschall steht schwarz auf weiß:
"Genitalien gesehen (m)".
Also ein Bub!

Wenn man schon im Riesenkrankenhaus ist, nützt man die Gelegenheit und schaut beim Arzt vorbei. Dieser ist leider die nächsten zwei Stunden im OP. Der Vertreter bittet einen herein, blättert im Akt und meint: "Also, wenn Sie einen Kaiserschnitt wollen, dann machen wir einen Termin. Wenn Sie Ihr Kind durch die Scheide bekommen wollen, dann müssen wir noch viel reden."

Beim letzten Satz macht er mit den Händen vor seinen Genitalien (m) Abwärtsbewegungen und dazu ein angewidertes Gesicht. Was er sagt, klingt wie, "Wenn Sie Ihr Kind durchs linke Nasenloch pressen wollen, bitteschön, ich kann sie auch nicht hindern..." oder auch "Sie können sich natürlich auch in eine Toga wickeln, aber der heutigen Mode entspricht das nicht..."

In den letzten zehn Jahren habe ich geburtskulturell offenbar einiges verschlafen.

22
Sep
2008

Milch und Latex

Letzte Woche habe ich mich in die Hände der TCM-Ärztin meines Vertrauens begeben. Die Idee war, dem ständigen Brechreiz mit chinesischen Beschwörungsformeln den Garaus zu machen.

Da lag ich also im durch Paravents unterteilten Behandlungszimmer, eine weiche Decke über die Beine gebreitet, der Meditationsmusik lauschend. Die Ärztin fühlte meinen Puls, betrachtete meine Zunge und aktivierte meine Chakren.
"Zwei Wochen keine Milch, keine Milchprodukte, auch nicht Schaf und Ziege", befahl sie dann. "Sie haben sich die Milz seit Sie schwanger sind ja total mit Topfen zugepappt. Deshalb haben Sie auch keine Lust auf Süßes." Ich überlegte, wo meine Milz ist, und wie sie wohl in Topfen aussieht.

Die Ärztin malte noch sieben grüne Punkte auf meine Beine, ließ die Sprechstundenhilfe Laserakupunktur à la Malen nach Zahlen machen, und begab sich zur nächsten Patientin. Natürlich konnte ich alles mithören.

"Zwei Wochen kein Latex!" Schweigen. "Wissen Sie eh, was das ist? Gummihandschuhe, Gartenstiefel und so." Die Patientin, kleinlaut: "Ich kenn das nur von Kondomen..."
"Ja, die auch nicht", befahl die Ärztin.
Na dann passen Sie bloß auf Ihre Milz auf, wollte ich der Dame gerne als Rat mitgeben.

10
Sep
2008

Die Milka-Minute

Das mit den Essiggurken mit Schlagobers stimmt übrigens nicht. Wahr ist vielmehr, dass man versucht, den permanenten Metallgeschmack in Mund und Rachen mit extremen Geschmacksrichtungen zu übertönen. Meist klappt das nur mit einer Art, also entweder scharf oder salzig oder süß, alles andere verstärkt das Gefühl der rostigen Nägel im Hals nur noch.

Bei mir war's salzig. Ganze sieben Wochen lang konnte ich nichts Süßes oder Gezuckertes anrühren. Ich befand mich im Traumzustand jeder diätwilligen Frau!
Bloß nahm ich trotzdem stetig zu.

Und für jemanden, der die Nachspeise normalerweise als Pflichtprogramm betrachtet, ist unwillkürliche Süßspeisenverweigerung eine klare Einbuße an Lebensqualität. Es endete so, dass Workingmama gierig auf Momente lauerte, in denen der Gedanke an Zucker statt Ekel nur Gleichgültigkeit hervorrief. Solche Momente gab es manchmal. Eine Tafel Schokolade lag dafür immer bereit. Aber leider...:
Die Milka-Minute reichte nie aus, um sie auch nur zu öffnen.

8
Sep
2008

Über die Übelkeit

Wenn man in der 10. Woche ist, sagen alle, es endet in der 12.
Hat man die hinter sich gebracht, schauen sie mitleidig und sagen, bei manchen dauert es bis zur 16. Woche.
In der 16. Woche werden die Blicke verständnislos und sie fragen, ob es beim ersten Mal auch so schlimm war. (Nein.)
Und danach erntet man nur mehr ein Grinsen und: "Ich will dich ja nicht schrecken, aber meine Cousine hat auf dem Weg in den Kreißsaal das letzte Mal gek**zt."

Wie muss man sich Schwangerschaftsübelkeit vorstellen? Etwa so, als wäre im Magen ein aufgeblasener Ballon, und gleichzeitig rund um Magen und Speiseröhre ein metallenes Korsett. Egal, was man isst, man kann sich nich vorstellen, wo es Platz haben soll. Isst man jedoch nichts, nimmt der metallische Geschmack im Mund überhand und ruft Würgen hervor.

Was an der Sache erstaunlich ist: Weltweit werden pro Minute 150 Menschen geboren. Das bedeutet 80,5 Millionen Schwangerschaften jährlich. Wenn nur jeder zweiten Schwangeren nur zwei Monate lang übel ist, rennen in dieser Minute sechs Millionen Frauen aufs Klo...

Und da gibt es nichts dagegen?

Wären Männer betroffen, hätten sie sich bestimmt schon etwas einfallen lassen. So entwickeln sie lieber Botschaften für Außerirdische, skurrile Sportarten und Schweinsstelze für die Molekularküche.
Und wir Frauen vergessen, sobald es vorbei ist, wie schlimm es war, weil sich sonst selbst Maulesel häufiger vermehren würden als wir.

7
Sep
2008

Wo war Workingmama?

Sie ist mit ihrem kroatischen Lieblingsmann zusammen gezogen, hat in Kroatien und Dubai Urlaub gemacht, ihre Tochter beim Einstieg ins Gymnasium begleitet, endlich mit Yoga begonnen, einen Spanisch Konversationskurs belegt, ein Wochenende lang gesungen, und die ersten vier Schwangerschaftsmonate gut hinter sich gebracht.

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