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weil das Leben spannend, skurril und sentimental ist und ich das manchmal einfach teilen will. Mit irgendjemandem außer meiner 10jährigen Tochter.

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Wort-Bingo

Mama

24
Apr
2008

Sackhüpfen im Stadtschulrat

Wenn die Wiener Stadtschulrätin ein Lesefest mit Wettbewerb veranstaltet, und die Klasse der Tochter das Glück hat, teilnehmen zu dürfen, dann trainiert man doch gerne dafür. Schließlich gibt es Bücher zu gewinnen, und Klassenehre zu verlieren. Einen Nachmittag lang arbeiteten wir uns daher durch das Buch "Drachen machen starke Sachen". Füllten Fülltext aus, brachten Sätze in die richtige Reihenfolge und beantworteten Fragen wie diese:

"Warum ertönte ein gellender Schrei?"

"Wie kamen die drei Männer ins Schloss? Erzähle."

"Wer sorgte sich um wen?"

Das Kind ist pubertär schlecht gelaunt und die Mutter fragt sich, warum die Klasse nicht mit demselben Aufwand Harry Potter, also wenigstens Weltliteratur liest. Abends kann das Kind nicht einschlafen, weil es die Namen von Drachenbabys memoriert, um im Falle einer Einzelbefragung nicht bloßgestellt zu werden. Beim Frühstück ist nichts anzufangen mit dem gekämmten Kind, und auf dem Schulweg schon gar nicht.

Abends dann meine Frage: "Und, was habt ihr wissen müssen?"

"Nichts. Es war nur Sackhüpfen."

"Wie bitte? Was hat denn das mit dem Buch zu tun?"

"Im Buch kommt ein Sack Erdäpfel vor."

Um-die-Ecke-denken ist ja durchaus auch eine lernenswerte Fertigkeit.

2
Apr
2008

Was wirklich wichtig ist

Mütter, seltener auch Väter, die von Magazinjournalisten gefragt werden, wie es ihnen denn so gehe, stammeln einhellig Sätze wie diese:

Die Geburt meines Sohnes / meiner Tochter hat mich mehr geprägt als alles andere.
Erst seither weiß ich, was wirklich wichtig ist im Leben!


Regelmäßig frage ich mich bei der Lektüre dieser Ergüsse, wie man sein Leben in der Blüte seiner Jugend so gestalten kann, dass es noch unwichtiger ist als schmutzige Wegwerfwindeln und angesabberte Still-BHs.

Offen gestanden: Auch ich weiß erst seit der Geburt meiner Tochter, was wirklich wichtig ist.
Und komme (fast) täglich zu dem Schluss, dass das Leben mit Kind ein ganz o.k. Ersatz dafür ist.

11
Dez
2007

Rundruf

22 Uhr. Ich unterhalte mich mit Freundin M. über das Schweigen der Männer.
Da läutet das Handy. Ich hebe ab.

Gurkenglas, tönt es verschwörerisch aus dem Apparat.

Der Fisch singt im Fliegen, versuche ich, den Code zu knacken.

Leider das falsche Stichwort.
Hallo, hier spricht die Mama von A. Die Volksschullehrerin hat einen Rundruf gestartet. Alle Kinder sollen morgen ein rundes, glattes Gurkenglas zum Basteln mitbringen. Bitte die nächste Mutter auf der Klassenliste anrufen.

Ich nehme das Gespräch mit Freundin M. nahtlos wieder auf.

Eine Stunde später, und um keinen Hinweis reicher, sitze ich einem sehr gesprächigen Mann und seinen Sushi gegenüber. Mitten in seiner Wiedergabe des jüngsten Bürotratsches springe ich auf:
Mist! Ich habe völlig vergessen! 23 Uhr! Was kommt im Alphabet nach R?"

Hektisch suche ich eine Telefonnummer, tippe sie ins Handy und flüstere:
Gurkenglas!!

Manchmal ist das Schweigen eines Mannes durchaus nachvollziehbar.

24
Okt
2007

eyes wide shut

Ein US-Forscherteam hat herausgefunden, dass unser Gehirn bei Schlafmangel in einen primitiveren Zustand zurückfällt:

Es ist, laut Studienleiter Matthew Walker, "unfähig, Emotionen ins rechte Licht zu setzen und kontrollierte, angemessene Reaktionen zu produzieren".

Nur mit ausreichend Schlaf sind wir auf die täglichen Herausforderungen vorbereitet. Wer zu wenig schläft, befindet sich in einem psychischen Ausnahmezustand.

Krankheiten wie Depression oder Burnout werden gefördert, wenn man (z.B.) täglich um 7.45 Uhr ein gekämmtes, sattes und vollständig bekleidetes Kind vor der Schule absetzen muss.

Die positive Nachricht: Beim betroffenen Kind wird die Sozialkompetenz geschult. Es lernt, mit den Unberechenbarkeiten des Lebens umzugehen. Etwa Erwachsenen, die auf die selbe Frage aus der Englischhausübung ("How do you like your potatoes?") abends "Mashed potatoes" antworten und einem morgens die Corn Flakes um die Ohren schmeissen.

Und jetzt lasst mich in Ruhe. Ich hasse euch alle.

20
Aug
2007

6
Jul
2007

Schreibfaul

Weil sich hier schon so lange nichts mehr tut, hat mir meine Tochter diesen Text geschenkt:

farben und phantasie

es gibt helle farben,es gibt dunkle farben und es gibt gemischte farben.zum beispiel aus rot und gelb wird orange.aus gelb und blau wird grün.aus blau und rot wird lila.aus rosa und rosa wird dunkelrosa.ich finde ,wer mit farben spielt,spielt mit phantasie.deshalb haben die meisten menschen auch eine lieblingsfarbe.meine 2 lieblingsfarben sind eher dunkles türkis und eher dunkles orange.ich mag eigentlich alle außer hellgrün und grau.manchmal ist mir aber auch eher nach farben wie hellblau und dunkelblau zumute.na,ja,mal dies mal das.bei mir kann es auch sein,dass ich von einer farbenwelt träume.das kommt aber eher selten vor.nur wenn ich am tag nicht viel gemacht habe,und deshalb ein bisschen phantasiert habe.egal ob mit farben oder einfach nur so. es kann auch der fall sein,dass mich farben zum lachen oder weinen bringen.zum weinen bringen sie mich,wenn es ganz stille farben sind oder traurige engel zeigen.zum lachen bringen sie mich,wenn es bunte,fröhliche farben sind und lustige grimassen zeigen. was klamotten betrifft, am schönsten komme ich mir in weiß-türkis-dunkelblau-gemischten kleidern vor. vor allem, wenn es so ein bisschen unregelmäßig gestreift ist.das finde ich am schönsten.zu zeiten,wo mir nicht gerade nach hellblau und dunkelblau zumute ist, hasse ich hellblau.ich bin ein mensch, der sich so viel mit farben und phantasie beschäftigt, dass ich mir denke:ohne farben und phantasie könnte der mensch nicht leben!

12
Jun
2007

(Alp)traum

Ich befinde mich im Wiener Konzerthaus mit seinen diversen großen und kleinen Sälen. Irgendwo in der verschachtelten Architektur befindet sich meine Tochter. Ich habe vier Minuten Zeit, sie zu finden.

Leider wache ich an dieser Stelle nicht auf. Mein Gehirn arbeitet auf Hochtouren ("Wir gehen hinunter", hat sie gesagt. Aber wie weit hinunter? Hat das Gebäude einen Keller? Passen dort 800 Kinder hinein?). Zwei Mädchen im Alter meiner Tochter laufen eine Stiege hinunter. Eine Dame in Konzerthaus-Uniform hindert mich unwirsch, ihnen zu folgen. Ich muss sie finden...

Noch immer wache ich nicht auf. Irre durch die Gänge und verursache auf den dicken roten Teppichen keinen Laut. Meine Finger umklammern die kleine Plastikbox. Ich komme zu einer großen Holztür mit zwei Flügeln. Auf einem Zettel steht "C" und "D" und "Bitte keine Eltern im Probenraum". OK, aber es ist ein Notfall! Welchen Buchstaben hatte bloß die Gruppe meiner Tochter? Ich habe sie doch oft genug zu Proben gebracht. Keine Ahnung. Zwei Kinder öffnen die Tür und schlüpfen hinein. Durch den Türspalt sehe ich, dass der Raum riesig ist. 400 Kinder sind da drinnen nach meiner Rechnung. Ich muss es tun.

Und ich habe es geschafft: Meiner Tochter die (auf ihren Wunsch) giftgrüne Zahnspange aus dem Mund geholt, bevor sie auf Wiens größter Konzertbühne im Chor sang.

Als ich auf meinen Platz schleichen wollte, saß dort schon jemand. "Ein Irrtum" schlug ich ihm vor, doch er hielt mir die exakt idente Karte unter die Nase. "Ach, suchen Sie sich doch irgendeinen freien Platz", meinte die Kartenabreisserin, ohne mir zu erklären, woran man freie Plätze erkennt, bei einem Konzert, wo drei Viertel der Besucher aka Eltern mit Videokameras auf den Sitzlehnen balancieren.

Es war das Festliche Kindersingen der Musikschulen der Stadt Wien. 800 Kinder werden jedes Jahr ausgewählt und bestreiten gemeinsam mit einem Orchester zwei Stunden beachtliches Programm. Diesmal unter anderem mit französischen Liedern aus diesem Film. Wunderschön und sehr professionell.

Meine Bewunderung war grenzenlos:
Wie machen die das, dass 800 Kinder zugleich NICHT aufs Klo müssen?

7
Jun
2007

Rosinenemanzipation

Da saß ich also im Love Whirl Boat im Liebesgarten des Kuschelhotels, und dachte ohne gegebenen Anlass über Emanzipation nach. Also, wir haben uns Wahlrecht, Wegwerfwindeln und Werken statt Handarbeiten erkämpft. Dürfen mit High Heels statt Hosenanzug, und Schminke statt Schulterpölstern ins Büro. Gut so.

Und dann bekommen wir Kinder. Bleiben bei ihnen daheim - kurz, lang, oder für immer. Kriegen alles unter einen Hut, oder auch mal nicht, lesen Bücher gegen schlechtes Gewissen, genießen die Vorteile und hassen die Nachteile. Leben eben.

Aber wehe. Wehe, die Beziehung mit dem Erzeuger der Kleinen klappt nicht. Dann wird er zum Schwein, dass uns Kinder gemacht hat, und sich jetzt aus der Affäre zieht. Mütter mutieren zu wehleidigen Weibchen. Das Selbstwertgefühl wird auf dem Altar der Schuldzuweisung geopfert. Emanzipiert? Nur im Job. Weil der PC nicht in die Pubertät kommt. Weil immer noch die idyllische Kleinfamilie in unseren barbiegetrimmten Gehirnen herum geistert.

Nicht, dass der Vater erwachsener reagieren würde. Er gleicht zukünftige Defizite der vater- und vorbildlosen Kleinen aus, indem er ihnen jeden Wunsch erfüllt, bevor sie ihn artikulieren. Erklärt sich zum Helden, weil er den Hass der Exfamilie schweigend und - vor allem - zahlend erträgt.

Keiner, weder Mutter noch Vater, lebt das eigene Leben. Das Handeln wird vom anderen (der Angst vorm anderen, der Rache am anderen, dem schlechten Gewissen gegenüber dem anderen, der Eifersucht auf den anderen, den Zeitplänen des anderen) bestimmt.

Da saß ich also im (selbst bezahlten) Love Whirl Boat des Kuschelhotels und dachte, wir sollten aufhören, uns die Rosinen aus der Emanzipation heraus zu picken:
Wir lassen uns keine Kinder machen - wir bekommen Kinder.
Wir erwarten nicht, dass ein Mann unseren Lebensstandard sichert - nur den seiner Kinder.
Wir zeigen unseren Töchtern, dass das Leben weitergeht. Auch wenn Ken mit Skipper durchbrennt.

13
Mai
2007

Muttertag


Beim Aufwachen fand ich diesen Brief auf meinem Nachtkästchen. Und war gleich ganz gerührt.
Das geschmückte Holzdöschen mit der gehäkelten Plastikperlen-Kette drin hätte ich beinahe nicht bekommen, weil eine Spinne das Versteck im Kinderzimmer besiedelt hatte. Und die verzweifelte Tochter auf die Hilfe unbeteiligter Familienmitglieder warten musste.
Die hatten sich, wie immer zu hohen Feiertagen, fürs Mittagessen angesagt.
Muttertag1
Diesmal allerdings mit der Erschwernis, dass meine Mutter wegen einer TCM-Kur keinen Zucker, Rohrzucker, Honig oder Fruchtzucker zu sich nehmen darf.
Ein Muttertagskuchen ohne jegliche Süße?
Workingmama war erfinderisch und griff zu purem Apfeldicksaft...
Muttertag3
Befinden sich mehr als 1,5 weibliche Verwandte in meiner Wohnung, befällt sie der unwiderstehliche Drang, auszumisten. Meist beginnen sie im Kinderzimmer, das neutrales Terrain darstellt. Es ist außerdem der einzige Ort, wo ich noch nicht alle Gegenstände mit Stickern ("ideeller Wert", "bitte nicht verbrennen", "nur geborgt" etc) versehen habe, um das Schlimmste zu verhindern.
Muttertag4
Beim heutigen Ausmisten fiel uns ein Kleidchen in die Hände, das meine Großmutter meiner Mutter gekauft hat, als sie acht Jahre alt war. Und eines, das sie vor wenigen Tagen für meine Tochter erstanden hat.
Fünfzig Jahre ... ein Stil.

20
Apr
2007

Est Omen?

Bekannte von Freunden bekamen ihr erstes Kind und nannten es Janine.
Sie bekamen ihr zweites Kind und nannten es Jaqueline.
Wir dachten, es könnte nicht mehr schlimmer werden.
Dann bekamen sie ihr drittes Kind und nannten es Kevin.

Dabei ist das noch harmlos. Nach Überfliegen der österreichischen Vornamen-Statistik 1984-2004 warte ich auf die Frage, Mama, darf ich mit Heart zu Amor?

Meine persönlichen Top Ten:
Buben:
Alessi, Ben-Hur, Bruce-Willy, Dandy, Elvis (51x), Granit (2x), Kermit, Ohne, Peter-Alexander (3x), Taifun
Mädchen:
Bretagne, Chantal-Orchidee, Cinderella (21x), Danuta, Edelweiss, Engel (2x), Gloria-Victoria, Milka, Olive, Server

Die 3 Carries und 9 Manolos kann ich ja noch irgendwie nachvollziehen.

Zum Schluss ein Tipp für die Kevinismus-Selbsthilfegruppe:
Zum Preis einer Woche Mallorca kann man seinen Vornamen ändern lassen.
Bei Vorliegen eines triftigen Grundes sinkt der Preis sogar von 524 auf 13 Euro.

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